Der Mühlenweg – einmalig im Kreis Höxter
Die Kreisstraße 44, besser bekannt als Mühlenweg, ist einmalig im Kreis Höxter: Sie ist die einzige Straße außerorts, die gepflastert ist.
Wer mit dem Auto den Mühlenweg erstmals erklimmt, wundert sich über den Lärm. Es dröhnt und donnert. Das hängt mit dem Untergrund der Straße zusammen. Denn die Kreisstraße 44 ist bis zum Ortseingang gepflastert – mittlerweile die einzige Straße dieser Art außerorts im Kreis Höxter.
Ein zähes Stück Straße
In den 1960er Jahren, vom 2. November 1964 bis zum 22. Februar 1966, wurde die Kreisstraße gebaut. Nur selten musste sie bisher ausgebessert werden. „Eine asphaltierte Straße hätte in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach erneuert werden müssen“, sagt Reinhard Bobbert vom Kreisbauhof in Warburg. Vor ein paar Jahren musste ein etwa 50 Meter langes Teilstück im unteren Abschnitt ausgebessert werden. Dort war die Fahrbahn abgesackt und die Regenüberläufe beschädigt.
Die ursprünglichen Maße der Pflastersteine aus Beton gab es laut Reinhard Bobbert nicht mehr. Sie mussten andere Steine verwenden. Das Fahren auf diesem Abschnitt ist daher leiser, da die Oberfläche der Steine noch nicht so aufgeraut ist wie beim benachbarten Pflaster.
Generell hat sich das ursprüngliche S-Pflaster so verkeilt, dass sich einzelne Steine nicht mehr aus der Straße lösen lassen. Kleinere beschädigte Stellen werden nicht neu gepflastert, sondern asphaltiert.
Doch warum wählten damals die Planer Pflaster anstelle einer Teerdecke für die Strecke? Im Archiv des Kreises findet sich leider nichts mehr dazu. Daher an dieser Stelle ein paar Vermutungen: Laut Heinrich Wieners sei es eine Versuchsstrecke für Straßen im steilen Sauerland gewesen. Im Winter fließt getautes Wasser durch die Fugen des Pflasters ab. Es überfriert nicht erneut.
„Durch die Steigung und südliche Ausrichtung kommt es hier generell seltener zu Glätte. Wasser fließt meist sofort ab“, berichtet Reinhard Bobbert. Ein Problem ist hingegen Blitzeis. Dann gefriert auch schlagartig die Feuchtigkeit der Zwischenräume und verwandelt die Strecke in eine Eis Piste.
Reinhard Bobbert vermutet noch andere Gründe für das Pflaster: In 1960er Jahren hätten Teermaschinen noch Probleme gehabt solche steilen Wege zu erklimmen. In Teilen hat der Mühlenweg eine Steigung von 14 Prozent. Die rauere Oberfläche des Pflasters bietet mehr Gripp als Asphalt. Außerdem hätte eine Arbeitsstunde noch nicht so viel gekostet. Werner Vössing erinnert sich, dass überwiegend ein Mitarbeiter der Firma Hake aus Blankenau die Steine gelegt hätte.
Wichtiger Weg ins Bevertal
Zunächst war die Strecke nur vom Ortsausgang Jakobsberg bis zum Mühlenkreuz zweispurig. Der restliche Weg bis Dalhausen war einspurig. In den 1970er oder 1980er Jahren wurde die ganze Strecke zweispurig erweitert.
Doch wie sah die Strecke eigentlich vor dem ersten Pflasterstein aus? Der Weg ins Bevertal war für die Jakobsbergerinnen und Jakobsberger schon immer wichtig. Entlang des Flusses standen Kornmühlen. Von der Bever holten die Bauern Wasser für das Vieh oder tränkten es dort gleich selbst. Früher verlief dort die Eisenbahnstrecke Scherfede-Holzminden. Am Biesberg, gegenüber des heutigen Dalhäuser Friedhofes, befand sich eine Haltestelle.
Der Verlauf des Mühlenwegs war fast wie heute. Lediglich in der großen Kurve, wo es in die Schönebreite geht, verlief der Weg zunächst in den Bangern hinein und ging an einer Feldgrenze zwischen einem Flurstück der Familien Hanewinkel und Wieners in Richtung Dalhausen. Die große Wiese des Bauern Hanewinkel, war damals nicht von der Straße zerschnitten.
„In den 1950er Jahren fuhr hier nur der Tierarzt aus Borgholz mit dem Auto runter“, erinnert sich Heinrich Wieners. Später auch der Jagdpächter Wagner aus Lemgo. Sie blieben auch einmal in der Bever stecken. Denn dort gab es zunächst nur eine Fußgängerbrücke. Fahrzeuge konnten die Bever nur durch eine Furt queren.
Patrick Otte